7 Antworten zur „Tafel“: … aus dem Gemeindebrief der Pfarrgemeinde Ost, Freiburg …

Wer tagsüber aus der Stadt in Richtung ZO fährt, wird schnell aufmerksam auf viele Menschen unterschiedlichen Alters, die nicht weit entfernt von dem Einkaufszentrum in einer Warteschlange stehen. Sie alle kommen zur Freiburger Tafel, einem Laden, in dem nicht jede/r einkaufen darf.

Ute Jäger-Fleming, Pfarrerin an der Christuskirche, war neugierig geworden, was sich hinter der Tafeltür verbirgt. Auf ihrer Suche begegnete sie Annette Theobald, Mitbegründerin und ehrenamtlich (fast) rund um die Uhr für die Tafel aktiv, und  Catrin Mecklenburg, von Berufswegen für die Leitung des Ladens verantwortlich. Beide nahmen sich gerne Zeit für ein paar Antworten.

Was verbirgt sich hinter der Tür zur Freiburger Tafel? Was für Waren und Angebote warten dort auf die Kunden?

Der Tafelladen besteht aus mehreren Räumen. Vorne ist der Selbstbedienungsladen, in dem man überwiegend Lebensmittel zu besonders günstigen Preisen einkaufen kann. Gleich nebenan sortieren ehrenamtliche Mitarbeiter ein großes Angebot von Waren, die von Bäckereien, Supermärkten und Bauern gespendet werden. Bei der Tafel kann der Kunde frei auswählen, was er kaufen möchte, ob Melone oder Ananas, Molkereiprodukte, Salami oder Zahnpaste. Auch am Hintereingang herrscht viel Betrieb. Dort sind je drei MitarbeiterInnen pro Kühlfahrzeug schon früh morgens damit beschäftigt, neue Ware zu liefern.

Wer darf in der Tafel einkaufen?

Die Tafel steht Menschen in wirtschaftlich schwierigen Lagen offen. Berechtigt sind alle Empfänger von Sozialleistungen darunter Rentner, Geringverdiener, Asylbewerber, Menschen, die verschuldet sind und dabei ein geringes Einkommen haben. Durchschnittlich kaufen am Tag 250 Kunden hier ein. Wer in den Besitz einer Kundenkarte kommen möchte, bringt folgende Unterlagen mit: Personalausweis, Aktuelle Einkommensnachweise (z.B. den Rentenbescheid) und eine Mietbescheinigung. Dazu erhält man einen farbigen Punkt, der dazu berechtigt 3x pro Woche oder jeden Tag einzukaufen, je nachdem ob man alleinstehend ist, ob man Familie hat und wie viele Kinder.

Wie kam es zur Gründung der Freiburger Tafel?

Die Idee brachte die Medizinerin Ingeborg Remmer aus einer anderen Großstadt mit. Sie gilt als eine der Mütter der Freiburger Tafel, die sich dafür einsetzten, dass gespendete, einwandfreie Lebensmittel, die sonst vernichtet würden, an Menschen verkauft werden, die finanziell sehr eingeschränkt leben müssen. Der Anstoß traf auf Resonanz bei der Arbeitsgemeinschaft christlicher Kirchen (ACK) und so begann die Freiburger Tafel als eine ökumenische Initiative. Inzwischen gehören zu den 240 ehrenamtlichen Mitarbeitern neben fünf Angestellten zu gleichen Teilen auch Männer.

Was motiviert Sie, Frau Theobald, als ehrenamtliches Mitglied des Vorstands in Ihrem Engagement?

In unserer Tafelgemeinschaft lebt es sich so wie ich es mir für eine Gemeinschaft vorstelle. Wir Mitarbeiter arbeiten alle auf dem gleichen Niveau. Zur Arbeit in der Tafel gehört der gegenseitige Respekt der Mitarbeiter, der Respekt den Kunden gegenüber, die Wertschätzung der Lebensmittel und der Lieferanten.

Mit welchen Problemen haben Sie zu kämpfen?

Zum einen hat die Tafel vorgelebt, dass man nicht alles wegwerfen muss. Das haben sich viele Läden zu Herzen genommen und somit hat sich das Angebot an Spenden reduziert. Wir sind also immer auf der Suche nach neuen Spendenprojekten.

Zum anderen beschäftigt uns immer die Frage der gerechten Verteilung. Wie können wir die Waren, die durch unseren Laden laufen, gerecht unter die Menschen bringen, die sie am nötigsten haben. Das Thema ist ein Dauerbrenner.

Übrigens muss man sich nicht wirklich anstellen. Zur Öffnungszeit verteilen unsere Mitarbeiter nach einem Losverfahren Nummern unter den Kunden, die vor der Tür warten. Es geht also nicht nach dem Motto „Wer zuerst kommt, hat die beste Auswahl“.

Was wünschen Sie sich für die Zukunft der Tafel?

Tolle Leute, die mitmachen. Neue Ideen für Spendenprojekte wie zum Beispiel unser Kartoffelprojekt. Vor ca 8 Jahren fand sich eine Gruppe von Ärzten zusammen, die Bauern aus der Umgebung bezahlen, damit die Tafel regelmäßig mit Kartoffeln versorgt wird. Wir sind zu 100% auf Spenden angewiesen und erhalten keine Unterstützung von staatlicher Seite. Das gewährt unsere Unabhängigkeit, bedeutet aber auch, dass wir kontinuierlich nach neuen Spendern und Spenden suchen.

Wo sehen Sie Handlungsbedarf in Kirche und Politik mit Blick auf Menschen, die in unserer Gesellschaft in Armut leben? Es wird ja auch immer wieder Kritik an den Tafeln laut?

Der politische Handlungsbedarf müsste ein ganzes Paket umfassen, damit sich etwas an den Armutszuständen in unserer Gesellschaft ändert. Wir sind uns der Kritik bewusst, dass die Tafeln zu sozialen Hängematten werden können. Aber wenn wir nicht helfen, wird die Lage für die Menschen nicht besser. Besonders betroffen macht die steigende Zahl der Kinder, die in Deutschland von Armut betroffen sind. (N.B. das Deutsche Kinderhilfswerk spricht von ca 2.8 Mio Kindern und Jungendlichen unter 18 Jahren).

Aber auch die steigende Altersarmut nehmen wir wahr. Dabei ist es nicht so leicht für uns, Rentner zu erreichen, die zum Einkauf bei der Tafel berechtigt sind. Wir würden uns freuen, wenn die Kirchen unser Angebot in dieser Altersgruppe weiter bekannt machen könnten. Wir bieten dazu gerne Führungen an für Seniorengruppen.

Wer mehr über die Tafel als Kunde oder Mitarbeiter erfahren möchte, kann sich im Internet erkundigen unter www.freiburger-tafel.de oder bei der Tafel selbst zu den Öffnungszeiten:

Montag bis Freitag: 10-12 Uhr und 15-17 Uhr.

 

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